pfefferberg

Stiftungsmodell

Das Konzept Stiftung Pfefferwerk basiert auf der Idee, die Pachterträge einer Immobilie für gemeinnützige Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Als Vision gestartet, Standortentwicklung und Ressourcengewinnung für soziale Zwecke miteinander zu verknüpfen, waren viele Schwierigkeiten zu meistern, damit dieses Modell auf und mit dem Pfefferberg nachhaltig erfolgreich funktioniert.

Ausgangspunkt war eine Initiative, die ehemalige Brauerei langfristig für sozialkulturelle Aktivitäten zu nutzen. Dafür gründeten engagierte Akteure Ende 1990 Pfefferwerk Verein zur Förderung von Stadtkultur e.V. und sorgten dafür, dass das Gelände bald über die Grenzen Berlins als Veranstaltungsort bekannt wurde. Unter dem Dach der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH entstanden zur gleichen Zeit vielerorts Angebote der Jugend-, Sozial- und Gemeinwesenarbeit.

Gemeinsam mit Poltik und Verwaltung des Landes Berlin wurde schließlich die Idee entwickelt, das Gelände zu erwerben, in eine Stiftung einzubringen und ein Erbbaurecht an einen professionellen Projektentwickler auszureichen - mit der Aufgabe, es denkmalgerecht zu sanieren und zu einem Zentrum für Kultur, Soziales und Dienstleistungen umzugestalten.

Den Ankauf durch die Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH im Jahr 1999 ermöglichte eine Zuwendung der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen, versehen mit der Auflage, die Erbpachterträge für arbeitsmarktorientierte Projekte im Land Berlin bereitzustellen.    

Pfefferberg

Die Brauerei auf dem Pfefferberg

Vor den Toren Berlins, am südlichen Ausläufer des Barnims, erwarb der aus Süddeutschland stammende Joseph Pfeffer im Oktober 1841 ein unbebautes Grundstück. Darauf errichtete er eine Brauerei untergäriger Brauart, die erste ihrer Art in Berlins nördlicher Vorstadt.

Im Frühjahr 1844 waren die Vorbereitungen abgeschlossen und Joseph Pfeffer konnte das „Bierzapfungslokal der neuen Bayrischen Bier-Brauerei Schönhauser Allee 176“ eröffnen, musste aber schon 1851 zwangsweise verkaufen. Mit den Besitzern Schneider und Hillig nahm die Entwicklung der Brauerei ab 1861 einen beträchtlichen Aufschwung. Baumaßnahmen setzten ein, die Bierproduktion verzeichnete ein stetiges Wachstum. Aus dem vormaligen Handwerksbetrieb wurde ein Industriebetrieb. Spätestens ab 1872 war der Name Pfefferberg für das Areal gebräuchlich.

Vor dem Hintergrund neuer ökonomischer und juristischer Rahmenbedingungen in Berlin erfolgte 1887 die Umwandlung der Brauerei in eine Aktiengesellschaft. Die begonnene Entwicklung wurde mit noch höherer Intensität fortgesetzt. Zeitgenössische Quellen bescheinigten dem Bier damals einen ausgezeichneten Geschmack.

Die meisten der Gebäude auf dem Pfefferberg-Areal entstanden in dieser Zeit. Ihre kreuzförmige Anordnung ist darauf zurückzuführen, dass Joseph Pfeffer seinerzeit die Brauerei im Zentrum eines unbebauten Geländes anlegte, während die umliegenden Mietshäuser erst einige Jahre später nach und nach entstanden.

Mit dem Ersten Weltkrieg änderte sich auch die Situation für die Brauerei auf dem Pfefferberg grundlegend. Schon 1914 wurde ein genehmigtes größeres Bauvorhaben verschoben und kam dann nicht mehr zur Ausführung. Gerste, der wichtigste Rohstoff für untergäriges Bier, unterlag bald der Rationierung. Infolgedessen sanken nicht nur Bierproduktion und Absatz. Kurz nach Kriegsende, im Herbst 1919, übernahm die Schultheiß-Brauerei AG die Brauerei Pfefferberg und führte zunächst den Ausschankbetrieb und den Braubetrieb weiter, stellte aber 1921 den Brauereibetrieb auf dem Pfefferberg-Areal ein.

Die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Auch danach blieb der Restaurationsbereich am Biergarten eine beliebte Adresse. Hingegen hatten in den ehemaligen Produktionsgebäuden neue Nutzungen schon zu Beginn der 1920er Jahre umfangreiche bauliche Veränderungen zur Folge. Die jetzt ansässige Schokoladenfabrik richtete beispielsweise Zuckersiederei, Fruchtkocherei, Puder-, Dressier- und Packräume für Pralinen ein.

1926 modifizierte die Firma ihren Unternehmenszweck. Im Zentrum standen nun die „Nutzung und Verwaltung der eigenen Immobilie und die Beteiligung an Unternehmen, die dem Bäckereibedarf dienen“. Die Räume der meisten vormaligen Produktionsabteilungen wurden in Lagerflächen umgewandelt.

Mit der Änderung des Firmenzwecks 1926 trat auch eine der größten Bäckergenossenschaften in Deutschland als Gesellschafter hinzu. Ab 1944 firmierte die Gesellschaft offiziell als Pfefferberg Grundstücke KG a. A.

Anfang der 1930er Jahre pachtete auch die Germania Spezialbrotbäckerei Gebäude auf dem Pfefferberg und produzierte hier das sogenannte „Germania Nährbrot“. Während des Zweiten Weltkrieges belieferte sie auch die Wehrmacht. 1944 bestanden Pläne, in den Tiefkellern auf dem Gelände sogenannte kriegswichtige Produktion für Waffenelektronik anzusiedeln. Allerdings ist offen, in welchem Umfang dies  tatsächlich zur Ausführung kam. Sicher ist, dass die Zivilbevölkerung bei Bombenalarm in den Tiefkellern Zuflucht fand. Oberirdisch hinterließen Bombentreffer erhebliche Schäden an mehreren Gebäuden.

Von der Nachkriegszeit bis 1989

Kurz nach Kriegsende wurde damit begonnen, das zunächst von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) beschlagnahmte Pfefferberg-Gelände wieder als Produktionsstandort zu nutzen, die Brotfabrik erhielt eine eingeschränkte Gewerbeerlaubnis. Im Sommer 1946 nahm die „Neues Deutschland“ Druckerei und Verlag GmbH, die mehrere Betriebsteile im Stadtgebiet hatte, am Standort Pfefferberg den Druckbetrieb auf. Zuvor hatte schon die Redaktion der Zeitung „Neues Deutschland“ hier ihren neuen Sitz bezogen. Ab 1947 erfolgte über rund sechs Jahre die gesamte Herstellung der Zeitung auf dem Pfefferberg-Gelände.

Die politische Entwicklung der Nachkriegszeit führte auch zu einer Neuordnung der Eigentumsverhältnisse auf dem ehemaligen Brauereigelände. Anfang 1949 erfolgte auf der Grundlage des Gesetzes über eingezogene Vermögenswerte von Kriegsverbrechern und Naziaktivisten die Enteignung der Germania-Brotbäckerei, Ende 1949 auch die Enteignung der Einkaufsgenossenschaft der Bäcker und Konditoren, der Pfefferberg Grundstücke KG (die vormalige Hoffmann Schokolade) und der Pfefferberg Beteiligungsgesellschaft. Danach wurde die Immobilie formal in Eigentum des Volkes der DDR überführt .

Waren in den 1960ern auf dem Pfefferberg noch rund 370 Mitarbeiter/innen der Druckerei „Neues Deutschland“ tätig, wechselten die letzten 1973 an andere Standorte. Nachfolgender Rechtsträger wurde die Kommunale Wohnungsverwaltung Prenzlauer Berg, auch Verwalter und zugleich Hauptnutzer des Pfefferbergs. Dann dominierte Mischnutzung die Situation auf dem Gelände, vor allem geprägt durch Werkstätten verschiedener handwerklicher Gewerke.

1987 gab der Magistrat, die Stadtverwaltung im damaligen Ostteil Berlins, eine Studie in Auftrag, die Vorschläge für die künftige Entwicklung und Nutzung des Geländes unterbreiten sollte. Eingebettet in eine städtebauliche Entwurfsstudie, legten die beiden Architekten Uwe Salzl und Bertram Vandreike ein Konzept vor, wonach das Gelände der ehemaligen Brauerei Pfefferberg saniert und vor allem für kulturelle Zwecke genutzt werden  könnte. Die Idee einer „Kulturfabrik Pfefferberg“ war geboren, aber die Zeit der Umsetzung noch nicht gekommen.

Die Entwicklung ab 1990

Mit dem Einigungsvertrag ging die Immobilie im Oktober 1990 ideell zu gleichen Teilen in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Berlin über. Die Verwaltung lag weiter bei der Wohnungsverwaltung Prenzlauer Berg (WIP). Nur noch ein Zehntel der Nutzfläche war vermietet.

Die Initiatoren der "Kulturfabrik Pfefferberg" warben Verbündete für ihr Vorhaben und beantragten, die Denkmalwürdigkeit der Immobilie zu prüfen. Ein soziokulturelles Zentrum könnte, so das angepasste Konzept, die Folgen des zu erwartenden Verdrängungsdrucks mindern und sozialen, künstlerischen sowie kleingewerblichen Aktivitäten neuen Raum zur Entfaltung bieten, Arbeitsplätze sollte entstehen.

Ende 1990, es gab inzwischen nach dem Denkmalpflegegesetz der DDR einen schriftlich bestätigten „Denkmalverdacht“, gründeten die Akteure, die sich für die künftige kulturelle und soziale Nutzung der ehemaligen Industrieanlage engagierten, eine eigene Organisationsstruktur – den Pfefferwerk e.V. Verein zur Förderung von Stadtkultur. Die ersten Räume auf dem Areal mietete er im Sommer 1991 für das damalige „Nachbarschaftshaus Pfefferberg“ (die Denkmalwürdigkeit war nun bestätigt).

Bald gab es die ersten Konzerte und Theateraufführungen und später einen langfristigen Mietvertrag für den Veranstaltungsbereich. Mitte der 1990er Jahre verzeichnete er bereits jährlich mehrere Zehntausend Besucher/-innen. Hier gaben profilierte Musiker/-innen aus aller Welt Konzerte. Auch junge Künstler/-innen und Musikgruppen konnten sich präsentieren. Die thematische Klammer all dessen bildete die sogenannte Weltmusik. Zu einem weiteren konzeptionellen Schwerpunkt entwickelte sich das Tanztheater, zu einem Markenzeichen wurde das später alljährlich veranstaltete Flamencofestival.

In den 1990ern siedelten sich in einigen Gebäuden weitere soziale und kulturelle Einrichtungen an. Auch die Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, 1991 gegründet, um als Träger öffentlich geförderter Beschäftigungsmaßnahmen die angestrebte Sanierung und Umnutzung auf dem Pfefferberg zu begleiten, mietete einige Flächen. Schon wenig später war sie darüber hinaus außerhalb des Pfefferbergs aktiv und betrieb Standorte für Nachbarschafts- und Gemeinwesenarbeit und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Später kamen auch Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und der Ausbildung hinzu.

In dieser Zeit ging die Auseinandersetzung um die Immobilie weiter. Nachdem Rückübertragungsansprüche abgelehnt und Bund und Land Berlin sich auf einen Verkauf verständigt hatten, wurde ein Bieterverfahren eingeleitet. Inzwischen hatten die Pfefferwerk-Akteure die für Arbeit zuständige Senatsverwaltung des Landes Berlin als Unterstützer gewinnen können. Sie stellte für den Ankauf unter Auflagen eine Zuwendung in Höhe von 7 Mio DM zur Verfügung. Im Dezember 1999 wurde der Kaufvertrag mit der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH geschlossen, die Immobilie als Stiftungskapital in die Stiftung Pfefferwerk eingebracht und ein Erbbaurecht an einen professionellen Projektentwickler ausgereicht. Die Pächterin, die Pfefferwerk Entwicklungs GmbH & Co. KG, übernahm die Aufgabe, die Gebäude denkmalgerecht zu sanieren und in Übereinstimmung mit dem vereinbarten Nutzungskonzept zu vermieten.

Nach ersten Demontagearbeiten konnte die Sanierung nicht wie geplant weitergeführt werden. Einige Jahre lang gab es neben der 2001 eröffneten Akira Ikeda Gallery/ Berlin nur wenige Nutzer auf dem Areal, meist Pfefferwerk-Organisationen. Dabei trug speziell die Pfefferwerk AG mit Kulturveranstaltungen und Public Viewing dafür Sorge, dass der Pfefferberg in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin präsent blieb.

Die Aufteilung des Erbbaurechts nach Wohneigentumsgesetz eröffnete die Möglichkeit, dass sich im Rahmen des Nutzungskonzepts auch Interessenten auf dem Pfefferberg ansiedeln, die ihre Flächen selbst sanieren. Dieser Ansatz hatte letztlich Erfolg. Im Zeitraum von 2004 bis 2009 erfolgte die umfassende Sanierung fast aller Gebäude. In deren Folge erhielt der Pfefferberg ein neues Gesicht, wobei Spuren der Vergangenheit bewusst erhalten blieben. Nach und nach bezogen die neuen Eigentümer und Mieter fertiggestellte Flächen. Auch die Höfe wurden saniert, Grünflächen angelegt.

Der Pfefferberg heute

Wer heute über den Pfefferberg geht, findet gerade als Kulturinteressierte/r eine vielfältige und spannende Nutzungsmischung auf höchstem Niveau – einen lebendigen Ort der Präsentation und der Produktion von Kunst, der die Berliner Kulturlandschaft bereichert und Gäste aus aller Welt anzieht. Die denkmalgeschützte, vollständig sanierte Bausubstanz beherbergt renommierte Galerien für Bildende Kunst und Architektur. Ein architektonisch bemerkenswerter Neubau ist entstanden. Es gibt Ateliers für junge Künstler/-innen, Clubs, Veranstaltungsräume, Werkstätten. Es wird geforscht, unterrichtet, aus- und weitergebildet. Und auch soziale Themen wie die Integration behinderter Menschen oder die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher haben auf dem Areal ihren Platz gefunden. Den Alltag auf dem Pfefferberg kennzeichnet Internationalität – bei den Nutzungskonzepten ebenso wie bei den hier ansässigen Akteuren.

Und nicht zuletzt - infolge der Entwicklung sind die Pachteinnahmen der Stiftung Pfefferwerk deutlich angestiegen, so dass gemeinnützige Organisationen in Berlin mehr Fördermittel für ihre Projekte erhalten können.

Infomaterial

Schon seit den 1990ern ist der Pfefferberg vor allem als Kulturstandort bekannt. Dabei hat sich in jüngster Zeit nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen viel verändert. In dem denkmalgeschützten Ambiente findet man heute ein sehr vielfältiges Spektrum kultureller Aktivitäten und Dienstleistungen. Doch auch aus der Vergangenheit lässt sich Interessantes und Spannendes berichten.

Illustriert mit vielen Fotos hat die Stiftung Pfefferwerk deshalb auf 80 Seiten Geschichte und Gegenwart der ehemaligen Brauerei, der ersten im heutigen Prenzlauer Berg, neu zusammengestellt.
Diese Broschüre ist für eine Schutzgebühr von 10,00 € bei der Stiftung Pfefferwerk erhältlich.

Mail: info@stpw.org
Fax: 030/ 67 30 54 56